Meine Bewerbungsrede für den Stadtrat Varel und den Kreistag Friesland
Wer sich zur Wahl stellt, bewirbt sich nicht auf einen Job. Er oder sie bittet um Vertrauen.
Mit dieser Rede habe ich mich den Mitgliedern von Bündnis 90/Die Grünen in Friesland und Varel vorgestellt. Ich erzähle darin, woher ich komme, warum ich in Varel zu Hause bin und was mich politisch antreibt.
Ich glaube, dass Kommunalpolitik dann am besten funktioniert, wenn sie nah an den Menschen ist. Wenn sie zuhört, Verantwortung übernimmt und auch dort Haltung zeigt, wo es unbequem wird.
Diese Rede ist deshalb vielleicht die persönlichste von allen:
Liebe Freundinnen und Freunde,
Für mich gehören Umwelt- und Naturschutz, soziale Gerechtigkeit und Krisenvorsorge untrennbar zusammen.
Eine intakte Natur ist die Grundlage für unser Leben. Saubere Luft, sauberes Wasser und gesunde Wälder.
Auch bei uns, siehe Fuhrenkamp, wird damit Blödsinn gemacht und deswegen brauchen wir hier weiterhin Haltung und Diskussionsfreude:
Wir brauchen starke grüne Stimmen in den Räten!
Ich sehe von hier aus ganz schön viele vor mir und auch aus Varel haben wir eine starke Liste mitgebracht!
Ich bin Linn Söderberg-Szymanski, 45. Ich bin in Schweden geboren und als Austauschschülerin im Ruhrgebiet gelandet und geblieben.
Der Liebe wegen.
Wir gingen nach meinem Abi vor vielen Jahren nach Varel auf dem leerstehenden Resthof seiner Familie.
Der Hof musste der Papierfabrik weichen. Jetzt leben wir in Varel-Altjühren.
Wir haben vier Kinder und ich erzeuge eigene von unseren Lebensmittel. Wir halten Nutztiere und bauen Gemüse an: Selbstversorgung light. Denn, das habe ich gemerkt, das tut meiner Seele gut und zeigt, dass es möglich ist, sich aus der Abhängigkeit der Supermärkte zu befreien. Wir müssen diese Konsumgesellschaft nicht so mitmachen. Es geht auch anders!
Leben selbst gestalten stärkt und beruhigt, denn SELBSTWIRKSAMKEIT IST RESILIENZ.
Im Alltag und in der Politik.
Ich bin ohne meine Familie hier in Deutschland.
Ohne Stützräder in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Schwer, Ja aber so viele Menschen hier in Deutschland, haben es so viel schwerer!
Mein Schwiegersohn kam als Kurde 2015 aus Syrien nach Deutschland. Allein mit 17, genauso wie ich.
Ich sehe aber deutlich, wie viel schwerer es ihm gemacht wird, hier sein Leben in Sicherheit aufzubauen. Wie viel Rassismus und wie viele Vorurteile er aushalten muss.
Ich habe in den letzten Jahen an einer Grundschule gearbeitet und dort Kinder mit Fluchtgeschichte unterrichtet. Auch hier sah ich, den Rassismus und die ungleichen Chancen aus vielen unterschiedlichen Gründen.
Und auch wie fragil unser Leben ist.
Mein Schwiegersohn beendet jetzt seiner Ausbildung als Erzieher und ich bin
SO STOLZ AUF IHN. Er wird helfen, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie für uns alle leichter wird!
Ich bin bereits jetzt beratendes Mitglied der Kreistagsfraktion und kandidiere hier und heute Abend für ein eigenes Mandat.
Besonders wichtig ist mir als frauenpolitische Sprecherin die Perspektive von uns Frauen.
Gewalt gegen Frauen steigt jedes Jahr an und global erleben wir ein antifeministischer Rückwärtstrend.
Männer schlagen Frauen, bei Stress, zu Feiertagen, im Urlaub und sogar nach Sportevents: Diese Spitzen sind in den Statistiken zu sehen!
Und nach einer Trennung bringen Männer Frauen um.
Unser Friesland soll aber ein sicherer Ort für Frauen sein! Wir brauchen ein Frauenhaus, bessere Gewaltschutz und viel mehr Prävention und Beratung!
Wir brauchen starke Fürsprecherinnen.
Wer mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiterhin männlich denkt, gehört widersprochen!
Ich möchte mich mit patriarchale Denkmuster anlegen,
und ich werde männliche „gefühlte Wahrheiten“ widersprechen.
Wir Frauen sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung – auch hier in Friesland – und wir gehören bei allen Themen an den Tisch!
Ich möchte mich hierfür in Varel und Friesland einsetzen.
Dafür möchte ich mich mit offenem Herzen und voller Überzeugung einsetzen und
bitte um eine breite Unterstützung. Vielen Dank.
Und hier meine Rede für den Stadtrat Varel:
Hallo nochmal,
ich habe mich ja bereits vorgestellt, und deswegen fasse ich mich an dieser Stelle deutlich kürzer.
In Varel stehen vor allem zwei wichtige Dinge an:
Erstens: Wir gehen in Varel selbstbewusst und flächendeckend in allen Grundschulen in den Ganztag. Das finde ich besonders stark, denn der Bedarf an Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat nichts mit dem Wohnort zu tun und so stellen wir endlich auch gute Wahlmöglichkeiten für junge Familien in unserer ländlichen Region her.
Und zweitens: wir übernehmen Verantwortung mit dem Landkreis zusammen für die Gesundheitsversorgung in unserer Stadt und weit darüber hinaus. Hier gibt es viel zu tun und auch das möchte ich entschlossen, lösungsorientiert und verantwortlich gestalten.
Wir bringen eine starke Liste mit aus Varel, für mehr Platz im Verkehr für alle, für mehr Grün in der Stadt und mehr Haltung zu unserer bunten Stadtgesellschaft.
Wir sind eine Stadt mit Regenbogenfahnen in Dangast am Strand und die gehören auch am Rathaus. Von mir aus auch gerne neben die Europaflagge.
Jetzt in Pride sowieso, auch sie ist mittlerweile ein Banner für viel mehr geworden. Nicht ein Zirkuszelt sondern für Freiheit, Menschenreche und so auch unserer Demokratie.
Dafür schlägt mein Herz und für die Erhaltung unser Natur und Lebensgrundlagen.
Dafür möchte ich mich mutig und entschlossen auch im Stadtrat Varel einsetzen und auch hier würde ich mich sehr über eure Unterstützung freuen!
Ich freue mich, dass mir die Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen in Friesland ihr Vertrauen geschenkt und mich für den Stadtrat Varel und den Kreistag Friesland nominiert haben. Jetzt freue ich mich darauf, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und gute Lösungen für möglichst viele Menschen zu erwirken!