Eröffnungsgottesdienst CSD Wilhelmshaven

Linn Söderberg-Szymanski

Auf Dich vertraue ich, und fürchte mich nicht.

Wenn ich an meinen Lieben, meinen Nächsten denke, wünsche ich mir eigentlich genau das: Dass niemand Angst haben muss.
Dass niemand Angst haben muss, er selbst zu sein.
Dass niemand Angst haben muss, ehrlich zu sagen, wen er liebt.
Dass niemand Angst haben muss, seine Liebe offen zu zeigen und leben.

Ich werde oft belächelt, wenn ich als Erwachsene so etwas sage. So ein einfacher Wunsch. So naiv.

Aber vielleicht vergessen wir beim Erwachsenwerden manchmal etwas Wichtiges. Wir machen vieles kompliziert.
Wir sortieren Menschen ein und diskutieren darüber, wer ok ist und wer nicht.
Wer dazugehört und wer nicht.
Dabei denke ich oft: Ich bin ich und du bist du. Das ist doch alles, was wir brauchen.

Aber wem sowas leicht über die Lippen geht, ist eigentlich vor allem eins: privilegiert.
Denn wir leben nicht in einer Gesellschaft in der alle sicher sind. Frauen sind nicht sicher, Kinder sind nicht sicher, PoC sind nicht sicher. Und queere Menschen sind nicht sicher.
Wer heute sagt: „Seid doch einfach ihr selbst“, muss auch ehrlich sagen, dass das für viele Menschen Mut kostet. Viel mehr Mut, als es kosten sollte.

Und der Wind weht rauer, nicht nur hier aber auch hier in Friesland und Wilhelmshaven. Wir erleben, wie Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Wie Hass wieder lauter wird. Wie Dinge gesagt und getan werden, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schienen. Das macht mir Sorgen, auch als Mutter. Denn die Frage ist ja nicht, in was für einer Welt ich leben möchte. Die Frage ist, in was für einer Welt unsere Kinder leben werden, und genau deshalb sind Tage wie heute wichtig. Ist Pride wichtig! Nicht weil hier alle gleich sind, sondern weil wir Vielfalt feiern und zeigen, dass wir zusammenstehen. Menschen, die für sich hier sind und auch Menschen, die sagen:
Eure Freiheit ist auch meine Sache.
Eure Sicherheit ist auch meine Sache.
Eure Würde ist auch meine Sache.

Ich bin heute hier als Ally, aber eigentlich ist auch das nur ein anderes Wort für etwas sehr Einfaches: Mitmenschlichkeit. Wenn jemand, den ich liebe, bedroht wird: Wenn Menschen in unserer Gesellschaft bedroht werden, dann stehe ich nicht daneben. Dann stehe ich an ihrer, an eurer Seite. Und ich glaube, genau das brauchen wir gerade. Menschen, die an der Seite anderer stehen. Ganz selbstverständlich. Die füreinander einstehen, miteinander stehen und sich auch schützend voreinander stellen.

Denn Freiheit nur dann wirklich Freiheit, wenn sie für alle gilt. Und Liebe, Liebe ist für uns alle da!

Am Ende bleibt mein vielleicht etwas kindischer Wunsch. Dass niemand Angst haben muss. Ich bin ich, und du bist du. Das ist meine Hoffnung.

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